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Belastungsprobe im Cockpit

Warum Profis auf Quarzwerke setzen
Nina Scally
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Jenseits der Zugfeder – Wenn die Mechanik an ihre Grenzen stößt

Wir lieben mechanische Uhren – ihre Seele, ihr Ticken, ihr Handwerk. Doch es gibt Momente, in denen extreme G-Kräfte und permanente Vibrationen die Feinmechanik weit über ihre Komfortzone hinausdrängen. Es ist der Bereich, in dem die Physik im Cockpit die Quarz-Technologie unweigerlich bevorzugt.

The Pilot Watch

Stellen wir uns den Augenblick kurz vor einem extremen Manöver vor: Die Triebwerke brüllen unter Volllast, der Horizont kippt weg, und plötzlich wiegt unser eigener Körper ein Vielfaches dessen, was er sollte. Unsere Arme werden bleischwer, die Brust wird eng, und die Welt scheint mit gewaltiger Macht gegen uns zu drücken, während das Flugzeug hart in die Kurve presst. Bei der neunfachen Erdschwerkraft wird hier selbst das Atmen zur Schwerstarbeit – und jedes Zahnrad zum potenziellen Schwachpunkt.

G-Kraft: Wenn die Schwerkraft sich vervielfacht

G-Kraft ist im Grunde nichts anderes als Beschleunigung, doch ihre Auswirkungen sind alles andere als simpel. Im Ruhezustand leben wir bei einem G. In Hochleistungsflugzeugen erfahren Piloten bei aggressiven Manövern routinemäßig sechs, sieben oder sogar bis zu neun G. Unter diesen Bedingungen wird effektiv alles schwerer. Eine Komponente, die im Stillstand fast nichts wiegt, verhält sich plötzlich so, als wäre sie um ein Vielfaches schwerer. Für eine mechanische Uhr hat das enorme Konsequenzen.

Im Grenzbereich der Physik ringen wir um Atem – und unsere Fliegeruhr um ihre Präzision.

Wer sich mit der Performance mechanischer Uhren beschäftigt, weiß, dass ihre filigrane Architektur auf dem Gleichgewicht beruht. Unruh und Spiralfeder bilden ein Schwingungssystem, das auf Symmetrie und Konstanz angewiesen ist. Treten extreme G-Lasten auf, wird dieses Gleichgewicht gestört. Die Kräfte wirken nicht mehr gleichmäßig auf das Werk. Je nach Beschleunigungsrichtung und Position der Uhr zieht die Gravitation an einer Seite stärker als an der anderen.

Überraschenderweise ist das Ergebnis kein Totalausfall. Eine Uhr explodiert nicht und bleibt auch nicht sofort stehen. Stattdessen passiert etwas Subtileres: Die Schwingung der Unruh verändert sich, die Amplitude verschiebt sich. Die Zeit wird zwar weiterhin gemessen, aber nicht mehr mit derselben Zuverlässigkeit. All das geschieht in einem Uhrwerk, das wir oft als unfehlbar betrachten. Doch man darf nicht vergessen: Mechanische Uhren wurden primär für eine stabile Gravitationsumgebung entwickelt – die Erde.

Vibrationen: Das unsichtbare Problem

Hohe G-Lasten sind nur die halbe Wahrheit. Flugzeuge vibrieren permanent. Triebwerke, Turbulenzen und abrupte Steuereingaben erzeugen kontinuierliche, hochfrequente Vibrationen. Für ein mechanisches Werk ist dies kein isolierter Schock, den man absorbieren und abhaken kann. Es ist ein unaufhörlicher Stressfaktor im Hintergrund. Zwar beweisen mechanische Zeitmesser bei alltäglichen Stößen eine beeindruckende Resilienz, da Hightech-Materialien und moderne Stoßsicherungen die filigrane Unruhwelle selbst bei harten Aufschlägen exzellent abschirmen, doch Vibrationen folgen einer tückischen Logik. Sie sind von einer beunruhigenden Beharrlichkeit, die kein Ende nimmt. Ein hochfrequenter Dauerzustand, der dem Werk keine Zeit zur Erholung lässt.

Vibration ist kein Stoß, sondern ein permanentes Zittern, das die Präzision zermürbt.

Über die Zeit zermürben diese Schwingungen den steten Rhythmus der Unruh und können sogar die Viskosität der Schmiermittel herausfordern. Die permanenten Vibrationen provozieren minimale Inkonsistenzen in den Lagern und untergraben so schleichend das Fundament einer stabilen Zeitmessung. Die Uhr steht nicht still, doch ihre Präzision wird unberechenbar. Das ist kein Makel der Uhrmacherei, sondern die unvermeidbare Realität von Systemen, die auf bewegter Masse, feiner Elastizität und physikalischer Reibung basieren.

Ein Gehäuse als Schutzzone: Die Bremont Martin-Baker MBII
Bremont
MBII / Bremont

Natürlich haben führende Manufakturen Wege gesucht, um der Gewalt von Schocks und Stößen zu trotzen. Die britische Marke Bremont etwa hat ihr gesamtes Ethos auf dem Fundament der Luftfahrt und des Ingenieurwesens errichtet. Ein Herzstück dieser Philosophie ist die Partnerschaft mit dem Schleudersitzhersteller Martin-Baker: Gemeinsam entwickelten sie die MB-Serie – Zeitmesser, die bereits 2007 Belastungen von bis zu 20 g standhielten. Das Herzstück des Designs bildet ein patentiertes ‚Floating Movement‘, das in einem speziellen Elastomer-Ring und einem antimagnetischen Faraday-Käfig aus Weicheisen ruht. Für damalige Verhältnisse war das eine Revolution. Und doch bleiben die physikalischen Vorzüge der Quarz-Technologie im Cockpit letztlich unbestreitbar.

Herz aus Kristall: Warum Elektronik keine Schwerkraft kennt

Die Quarz-Technologie nähert sich der Dimension Zeit aus einem gänzlich anderen Winkel. Anstatt auf die sichtbare Ballett-Choreografie der Mechanik zu setzen, regiert hier die lautlose Präzision eines elektronischen Oszillators. Ein winziger Quarzkristall schwingt zehntausendfach pro Sekunde – ein Takt, der nicht durch physische Reibung, sondern durch elektrische Impulse definiert wird.

In der Welt der Schaltkreise existiert kaum bewegliche Masse, die den Gesetzen der Beschleunigung unterworfen wäre. Während G-Kräfte mit unerbittlicher Energie an einer Unruh ziehen, lassen sie den Kristall ungerührt. Die Ausrichtung im Raum verliert ihre Bedeutung, und selbst das aggressivste Zittern der Triebwerke vermag das Signal nicht aus dem Rhythmus zu bringen. Inmitten physikalischer Extrembedingungen bewahrt das elektronische System eine stoische Ruhe. Es ist diese unerschütterliche Beständigkeit, warum sich die moderne Luftfahrt, die Raumfahrt und das Militär heute so konsequent auf diese Form der Zeitmessung verlassen.

Herz aus Siliziumdioxid: So funktioniert die Quarzuhr
YouTube Video
BBC Earth Science / YouTube

Ein gutes Beispiel: Die Casio G-Shock

Die Casio G-Shock Gravitymaster verkörpert diese Philosophie in ihrer radikalsten Form. Sie ist ein Werkzeug, das dort besteht, wo die klassische Mechanik an ihre physikalischen Grenzen stößt. Das Herzstück bildet die sogenannte ‚Triple G Resist‘-Technologie – ein Schutzschild, der das interne Modul vor massiver Beschleunigung, unnachgiebigen Vibrationen und harten Stößen isoliert.

Resilienz in ihrer radikalsten Form: Die G-Shock Gravitymaster
Casio G-Shock Gravitymaster
G-Shock Gravitymaster / Casio

Das System gleicht einer kinetischen Festung: Anstatt die empfindlichen Komponenten starr zu verbauen, ruht das Werk in einer entkoppelten Architektur. Jede einwirkende Energie wird absorbiert und zerstreut, noch bevor sie die Präzision der Zeitmessung gefährden kann. Ungeachtet der Lage oder Last bewahrt die Elektronik ihre stoische Stabilität. Das Ergebnis ist eine Uhr, deren Takt weder vor steigenden Fliehkräften noch in feindseligen Umgebungen kapituliert.

Anatomie der Unzerstörbarkeit: Die Schichten der Triple G Resist-Technologie
G-Shock GG-B100XM / Casio
G-Shock GG-B100XM / Casio

Die Wahl der Profis: Keine Experimente im Grenzbereich

Mechanische Uhren sind die Chronisten außergewöhnlicher Geschichten. Sie verkörpern Jahrhunderte an Wissen und eine tiefe emotionale Verbundenheit mit jedem Ticken. Im Alltag und selbst unter anspruchsvollsten Bedingungen leisten sie Hervorragendes. Doch wer sie durch eine 9-G-Kurve führt, verlangt von ihrer filigranen Architektur, die Gesetze der Physik schlicht zu ignorieren.

Wenn Profis im Cockpit zur Quarz-Technologie greifen, ist dies kein Urteil gegen die Handwerkskunst, sondern eine Entscheidung für die kompromisslose Zuverlässigkeit. In Extrembereichen wird Präzision durch Unempfindlichkeit definiert: Je weniger ein Werk von seiner Umwelt ‚spürt‘, desto unbestechlicher arbeitet es. In der dünnen Luft, unter massivem Druck und inmitten eines permanenten Zitterns zählt am Ende nur die nackte Performance. Manchmal ist die präziseste Uhr eben jene, die absolut gar nichts fühlt.

Mehr über Zeitmesser in Extremsituationen

Die faszinierende Partnerschaft zwischen Bremont und Martin-Baker

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Die älteste Uhrenmarke der Welt